Servus Facebook, das war’s dann mit uns beiden.

Hier trennen sich unsere Wege. Du wirst weiterhin all die persönlichen Daten der Menschheit sammeln und damit unglaublich viel Geld verdienen. Und ich? Ich kehre zurück zum echten Leben. Zurück zu mir, zu realen Freunden, wirklichen Nachrichten und brauchbaren Informationen. Lass uns einfach Freunde bleiben …

Damals,
als Du 2004 das Licht der Welt erblickt hast, war das keine große Sache – aber ein gute Idee. Du wolltest Studenten, Familien, Freunden und Bekannten dabei helfen, in Verbindung zu bleiben. Ein sogenanntes soziales Netzwerk. Aber im Laufe der Jahre ist Dir dann „irgendwie“ das viele Geld und die Gier dazwischen gekommen. Und die ursprüngliche Idee ging verloren. Mittlerweile geht es Dir nur noch um das Sammeln von Nutzerdaten und die anschließende Vermietung dieser Daten an Werbetreibende und „andere“. Schade eigentlich …

Aber vielleicht fange ich einfach mal ganz von vorne an:
Am 6. Februar 2011, exakt um 18:26 Uhr habe ich mich Deinem Netzwerk angeschlossen. Woher ich das so genau weiß? Nun, das habe ich in Deinen (oder sind es meine?) Aufzeichnungen gefunden. Du hast einfach ein fantastisches Gedächtnis ;-) Warum ich überhaupt bei Dir mitmachen wollte? Tja, alle haben davon gesprochen und ich wollte es einfach mal ausprobieren. Und siehe da, es hat mir echt Spaß gemacht. Und erfüllte genau den Zweck, für den es gedacht war: Mit anderen in Kontakt bleiben, auch über große Entfernungen.
Beflügelt von den ersten Erfahrungen habe ich im Herbst des gleichen Jahres ein Konto für die „PfotenWanderer“ angelegt. Damit wollte ich meine Freunde (oder waren das schon Follower?) an meinen Wanderungen mit Hund teilhaben lassen. Und habe fleißig „gepostet“: Bilder, Beschreibungen und GPS-Daten. Und plötzlich – ich war schwer begeistert – gab es die ersten Kommentare dazu und Beiträge wurden geteilt. Da war mir klar: Ich war nicht mehr aufzuhalten. Zusammen mit Dir werde ich die ganze Welt erobern.

Da war es selbstverständlich, dass ich im Mai 2014, kurz nach dem offiziellen Start meiner Selbständigkeit, auch ein Konto für „Die.Anleitung“ bei Dir eröffnet habe. Das Ziel war diesmal etwas anders: Ich wollte neue Leser bzw. Kunden erreichen. Zu diesem Zweck habe ich gleich in den ersten Monaten einige bzw. echt viele Euros in Werbung bei Dir investiert. Genau auf die Zielgruppe zugeschnitten und SEO-optimiert. Das Ergebnis war, gelinde gesagt, ernüchternd. Und dabei hast Du mich beim Erstellen der Anzeigen so toll unterstützt. Ja, ich hatte immer mehr von diesen Followern, aber vom Umsatz her hat sich das nicht wirklich bemerkbar gemacht. Also so gar nicht!
Dabei hast Du mir versprochen, dass ich damit in kürzester Zeit ganz viele neue Kunden generieren würde. Meine Verkaufszahlen sollten geradezu explodieren. In der Realität war das Ergebnis ein anderes: Euros weg, Geduld weg, Nerven weg. Aber dafür hatte ich fast 1.000 „Freunde“. Doch wozu?
• Was war das greifbare Ergebnis?
• Hatte ich die kritische Masse nicht erreicht, um „viral zu gehen“?
• Waren meine Inhalte und Schlagzeilen nicht marktschreierisch genug?
Hätte ich noch Schminktipps geben sollen?
Ich weiß es nicht. Vielleicht habe ich ja einfach die Grundlage Deiner Idee nicht verstanden?

Ein Neuanfang?
Aber so schnell wollte ich nicht aufgeben. Wenn ich schon keine neuen Kunden akquirieren konnte, dann wollte ich zumindest Informationen für mich und mein neues Geschäft finden – Fragen hat man ja immer. Ja, das war die Idee. Ein gute Idee. Also damals. Irgendwie. Im Jahre 2016. Und wie ich eben so bin, habe ich einfach mal losgelegt: Habe mich in Gruppen eingetragen und mich mit fremden Menschen „befreundet“. War Follower und Diskussionsteilnehmer. Am Morgen galt mein erster Gedanke Dir.
Was gibt es Neues?
• Wer hat was zu welchem Thema gepostet?
• Gibt es schon Kommentare zu meinen Kommentaren?
• Wer liked wen? Oder auch nicht …

Und überhaupt: Bei Dir war immer was los. Ah, da ist etwas Interessantes. Oh, daran habe ich ja noch gar nicht gedacht. Klicken hier, Klicken da. Und schwuppdiwupp waren 1-2 Stunden weg. Jeden Tag! Aber dafür war ich immer bestens informiert. Das ist doch auch was. Dachte ich …

Und jaaaaa, den einen oder anderen Tipp habe ich im Laufe der Zeit tatsächlich gefunden. Also danke dafür.

Es läuft nicht mehr rund
Und dann, im Sommer 2017, bemerkte ich eine Veränderung. Am Anfang waren es ja nur Kleinigkeiten. Unsere morgendlichen Gewohnheits-Stunden wurden immer zäher und langweiliger. Mehr so wie alter Kaugummi.

Und dann gab es auch immer mehr davon:
• bedenkenlos geteilte Falschinformationen
(die allseits beliebten Fake-News)
• Selbstdarsteller und Selbst-Optimierer
• Essen-Fotografierer
• Ich-bin-jetzt-hier-Markierer
• Alles-Gute-zum-Geburtstag-Wünscher
• Ich-bewerte-alles-Kommentierer
(auch wenn Sie vom Thema null Ahnung haben)
• und letztendlich die super nervigen
Das-muss-ich-jetzt-loswerden-Auskotzer

Ist ja einfach. Ist ja anonym. Euch allen rufe ich zu: Was – soll – ich – damit?

Nicht zu vergessen:
Die unzähligen Freundschaftsanfragen und Freundschaftsvorschläge, die Du mir präsentiert hast. Dazu die chaotische und sich ständig ändernde Oberfläche. Echt, Du hast Dich total verändert. Von der sprunghaft zunehmenden Werbung möchte ich jetzt gar nicht sprechen. Schon komisch, warum ist mir das vorher nicht aufgefallen? War ich tatsächlich so unkritisch beim Konsumieren der Informationen? Bei der Auswahl meiner „Freunde“? Bei der Suche nach dem nächsten großen Ding? Gut möglich …

Das Ende
Anfang 2018 war ich schwer mit dem Schreiben eines neuen Buches beschäftigt und vergass manchmal unsere morgendliche Ich schau-mal-nach-Routine. Zum Ausgleich habe ich Dich dann am Abend kurz besucht, war aber oft zu müde, um länger dabei zu bleiben. Und dann passierte etwas ganz ungewöhnliches: Eine ganze Woche verging ohne ein Gespräch oder eine Nachricht zwischen uns beiden. Erst hatte ich deswegen ein schlechtes Gewissen und sah mich praktisch schon von der Außenwelt abgeschnitten!

Aber als ich leicht panisch wieder zu Dir zurückkehrte, hatte sich mein Blickwinkel komplett geändert: All das, was mich vorher schon gestört hatte konnte ich einfach nicht mehr ertragen. Die Informationen hämmerten in mein Hirn und ich hatte nur noch einen Gedanken – schnell weg hier. Und so schwer mir das auch fällt, zum 16.6.2018 werde ich Dich verlassen. Ich werde all mein Konten bei Dir löschen. Das gilt auch für Deine Verwandtschaft: Instagram, WhatsApp und den Facebook-Messenger. Ob das jetzt für immer ist oder eine Trennung auf Zeit? Ich weiß es noch nicht.

Bevor ich gehe, möchte ich Dir auf diesem Weg noch eines sagen: Dass Du alles aufzeichnest, wenn wir uns treffen, das wusste ich ja schon lange. In meiner Naivität dachte ich, das wäre zum Wohle unserer Beziehung. So eine Art Tagebuch der Liebe. Aber dass Du unsere intimsten Geheimnisse hinter meinem Rücken „anderen“ erzählst und dafür auch noch Geld nimmst – das hat mich schwer getroffen.

Epilog
Also dann Facebook, das war’s dann mit uns beiden. Ich werde Dich nicht vermissen. Du mich wahrscheinlich auch nicht. Du wirst auch nicht meine persönlichen Daten löschen. Obwohl Du dazu verpflichtet bist. Aber hey, wer sollte das schon kontrollieren?
Und ob Du’s glauben möchtest oder nicht, ich hab schon jemand neuen kennengelernt. Er nennt sich echter Journalismus und versorgt mich per Newsletter und über online Magazine mit wirklichen Informationen und guter Unterhaltung. Und ja, dafür muss ich Geld bezahlen. Aber meine wertvolle Zeit fühlt sich hier viel besser aufgehoben. Um den Kontakt zu meinen Freunden aufrecht zu erhalten, werde ich eine ganz altmodische Tradition wieder aufleben lassen: Das persönliche Gespräch.

Und meine Kunden/Leser?
Die informiere ich zukünftig mit einem guten und interessanten Newsletter. Mit echten Fakten und brauchbaren Informationen.
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Dein Helmut
Autor und Herausgeber von Die.Anleitung

PS: Die geplante und von mir bereits angefangene Anleitung für Facebook wird es nicht mehr geben. Nein, da hilft es auch nicht, wenn Sie alle paar Tage nachfragen. Fertige Abschnitte daraus zum Thema „Privatsphäre bei Facebook“ finden Sie hier für Android und hier für Apple.

So unter uns:
Ist es nicht unsere eigene Verantwortung, wie wir mit unserer digitalen Identität umgehen? Müssen wir wirklich alles und jeden Trend mitmachen? Jedes lustige Bildchen und andere „Inhalte“ teilen? Unser ganzes Leben im Internet ausbreiten? Und uns dann hinterher wundern, was die Datensammler alles über uns wissen? Und was sie mit diesen Informationen im echten Leben alles anstellen (können)? Hhhmmm …

Und falls Sie jetzt auch diesen Weg gehen wollen – dann brauchen Sie diesen Link.

Von |7. Juni 2018|

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